Ich erwähnt vielleicht schonmal eine gewisse Tendenz republikanisch-rechter Kreise in der USA eine gewisse Abneigung gegenüber Hollywood und der Filmindustrie zu verspüren. Die sind nämlich liberal, ergo: links, und praktisch der Grund für alle großen Probleme in den USA (Abtreibung, Schwule, Euro-Sozialismus). Nun ja, nun scheint der gemeine Republikaner/Konservative nicht gänzlich auf die Bespaßung in Kino und TV verzichten zu wollen, also brauch es Vorbilder – aufrechte SchauspielerInnen mit einer gewissen Attitüde. Aber um es mit der Worten des kongenialen Sean Penns zu beschreiben, alle Menschen in Hollywood sind numal „commie, homo-loving sons of guns“ – und damit auf der Liste möglicher Vorbilder für das konservative Publikum vermutlich knapp unterhalb Saddams, Adolfs und Bill Clinton gerankt.
Daher musste National Review Online – Autor, Mark Hemingway (hier ein Kommentar über ihn bei Salon.com), tief graben um diese Ikone auszugraben: Dirk Benedict!
Who the fuck is Dirk Benedict?
Den kennt ihr! Ganz sicher! Vielleicht nicht vom Namen her, aber Dirk Benedict ist unvergessen durch seine Rolle als ‘Face’ im „A-Team“. In dieser grandios trashigen US-Serie spielte Benedict die Rolle des ‘Frauenhelden’: Männlich, elegant, charmant, unverbindlich – immer ein flotten Spruch auf dem Lippen und alle Frauen fielen ihm zu Füssen. Scheinbar war dies nur auf der Leinwand so, denn ansonsten hat Benedict keine sonderlich hohe Meinung über Frauen. „But when they [die Frauen in Hollwood, S.R.] got power, there was a great joy in being able to tell me what to do when I came in to audition. I think maybe they all had a guy in their past that had some of that in them, and it was revenge.” - quasi: Weil er also der Leinwand, in einer fiktiven Geschichte einer Serie, einen Frauenheld spielte, wurde er von den Frauen nun herumkommandiert, weil diese damit ihren schlechten Erfahrungen mit Männern katalysierten. Damit – und überhaupt mit dem ganzen „cultural shift“ in der ‘Traumfabrik (Hemingway spricht natürlich nicht von Bürgerrechtsbewegung und Emanzipation als Inhalt dieses ’shifts’) – konnte ‘The Faceman’ nicht leben – er wollte seine Werte nicht aufgeben und verschwand aus Hollywood nach Montana. Raus aus der Glitzerwelt, der Oberflächlichkeit und des Werteverfalls, reins ins ‘echte’ Amerika! Hier konnte er, als alleinerziehender Vater,seine beiden Söhne in den ‘wahren’ Werten der Männlichkeit unterrichten. Eine harte Schule: Seine beiden Racker durften auch mal Schnellbälle werfen, auf Bäume klettern und ohne Rettungsweste auf ein Boot – kein einfacher Kampf, denn das ‘cultural climate’ machte es ihm nicht einfach sie noch als echte Männer zu erziehen!
The ‘Faceman’ in Action – damals war er noch ein ‘richtiger’ Mann!
Wenn Benedict nicht gerade seine Söhne nicht erzogen hat, Aufsicht würde die ‘Männlichkeits’-Entwicklung in Frage stellen, machte er sich Gedanken über seine Erzfeinde in Hollywood und sein schauspielerisches Erbe. Einst spielte er markant männlich auch bei Kampfster Galactica eine tragedne Rolle. In dem Remake aber sieht er die ganze böse Macht der neuen Zeit bzw. „Hollywood’s regnant sexual politic“ (Hemingway): Sein Charakter wurde zu einer wütenden Frau umgeschrieben; ohne Humor – einfach nur angepisst! Und das passiert ihm, dem Obermann! Und es trifft ihn hart, denn er fühlt sich ENT-MANNT: „What Hollywood couldn’t do to me in 25 years, the producers of this show did to me with a delete button. What the doctors couldn’t do to me when I had prostate cancer, they finally did.“ – Und wo Hollywood und Produzent schon fleißig durch die Gegend kastrieren, schwuchteln sie auch gleich, aber nicht mit Benedict, der um seine letzte Bastion, das A-Team, fürchtet: They’ve been trying to remake The A-Team for 15 years — and they’re going to do exactly the same thing. I’ve always made a joke that they’re going to do the The Gay Team. It’s either going to be four gay guys or it will be all women.“ - Vier Frauen oder Schwule – die Horrorversion für Benedict. Aber es gibt Hoffnung: Seine Söhne sind noch echte Männer geworden, trotz all dieser Hollywood-’Schwuchteln’ und überhaupt.
Er opferte sich und sein Glamour-Leben (wollte er eh nie!) für seine Werte – US-Patriotismus am Beispiel eines einfachen Mannes, der auszog um die Welt Männlichkeit zu lehren, ent-mannt wurde, aber doch irgendwie gewan. Hollywood, so schließt der Artikel, brächte ihn mehr als er Hollywood: „Given the uniformity of political and cultural opinions in Hollywood, it sounds like Dirk Benedict has reached a place in his life where Hollywood needs him more than he needs Hollywood“ Mark Hemingway setzt Dirk Benedict ein Denkmal, das so aalglatt ist, es könnte verfilmt werden.
Widersprüchlichkeiten seiner Biographie könnten dabei einfach – wie auch in diesem Portrait – unbeachtet oder ignorierten werden. Etwa das Mr. Männlichkeit seine Seele an die böse Unterhaltungsindustrie verkaufte, als er in Großbritanien ins „Celebrity Big Brother House“ einzog. Sein Hollywood-Ausstieg ist auch eher ein Mythos (siehe hier und hier), schließlich spielte er nach dem Ende vom „A-Team“ 1987 noch in 15 Hollywood-Produktionen mit, von denen mir – und ich bin Film-Junkie – keine einzige bekannt ist. Außerdem „beglückte“ er etliche Serien mit seinen Auftritten, darunter solch anti-emanzipatorische Machwerke wie „Baywatch“ und „Texas Ranger“. In letzter Zeit tritt er zunehmend in Talkshows auf, unter anderem war er 2006 bei Sarah Kuttner.
Eine, nur ganz grob und zum Spaß, alternative Interpretation seine Biographie könnte darauf schließe, dass es sich bei Dirk Benedict einfach nur um einen talentlosen Schauspieler handelt, der seinen Zenit – wenn er je einen hatte – längst überschritten hat, sich mit C-Prominenz-Spektakeln und miesen Filmen sein Leben in Montana finanziert und ansonsten einfach nur ein verstockter, homophober Sexist ist, der sein durch die Emanzipationsbewegungen der 60er Jahre ins Wanken geratenes Weltbild durch „othering“ am Feinbild Hollywood zu erhalten versucht. Ergo: Ein armes kleines Würstchen.
Der andere Kontext
Nun ist aber auch interessant zu sehen, dass Mark Hemingway, immerhin Autor für ein relativ wichtiges Organ der konservativen Bewegung, gerade jetzt Dirk Benedict aus dem Loch des Vergessens holt. Es ist kein wirklicher Zufall. Sean Penn, dessen Oscar-Rede ich einleitend zitierte, steht genau für dieses Hollywood, was den Konservativen das Leben schwer macht. Filme wie „Milk“ konfrontieren ein Millionenpublikum auf unterhaltsame, aber doch bewegende Weise, mit Themen der Bürgerrechtsbewegung (mehr zum Film und der Doku bei Iheardigitallife.de). Sie schaffen den historischen Hintergrund für noch heute andauernde Debatten in den „culture wars„. Zwar konnten die Konservativen mit der Annahme von Prop 8 in Kalifornien (und weiterer Abstimmungssiege, siehe bei Iheartdigitallife.de), damit wurde die Ehe zwischen gleichgeschlechtlichen Paaren wieder abgeschafft, einen gewissen Erfolg verbuchen, aber Barack Obama im Amt verspricht eine eher progressiv orientierte Politik, etwa im Bereich des „Don’t Ask, Don’t Tell“ oder Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen. Was „Milk“ hier leisten kann, außerhalb des historischen Hintergrund, ist durch Mittel der Unterhaltung Identifizierung zu schaffen, der Bewegung ein bekanntes Gesicht zu geben und damit – Gus Van Sant hat ganze Arbeit geleistet – klar politisch Stellung zu beziehen. Nun werden sich genügend Werke in Hollywood finden lassen, die eher anti-emanzipatorisch arbeiten (Sehr deutlich: hier), aber das spielt keine Rolle: H0llywood ist ein Feindbild – es ist liberal und es steht für unamerikanische Werte.
Eigentlich – etwas polemisch ausgedrückt – ist Bendict Hemingway vermutlich scheißegal. Er spielt nur eine exemplarische Rolle in Hemingsways Stück des moralischen Verfalls. Er dient als Beispiel für den Teil der (weißen) US-AmerikanerInnen, die ihre Werte erodiert sehen, die mit Gay Marriage, Feminismus etc. nichts anfangen können, die einfach nur in ihrer kleinen, ‘traditionellen’ Welt leben wollen. Somit wird Bendicts eigentliche Geschichte des Versagens und seine reaktionären Weltsicht umgedeutet zu einem Heldenepos, denn was Hemingway sagen will ist: Siehe her, du echter Amerikaner, du echte Amerikanerin – so geht das: Euer Dirk hat sich nicht von Hollywood korrumpieren lassen, er lebt seine Werte – das könnte ihr auch – ihr seid die Rebellen unserer „Gegenrevolution“. Darum würde Chuck Norris, auch ein strammer, homophober Rechter, nicht als Vorbild taugen – der ist viel zu präsent und in der Popkultur verankert, als das man ihm das Image eines Rebellen abnehmen würde.
Und genau dieses Rebellentum ist der nächste wichtige Faktor: Es ist viel motivierender, es erscheint als Mission, als Martyrium, diesen Weg zu gehen – zum Beispiel: Die traditionelle Männlichkeit hochzuhalten. Dabei könnte auch gefragt werden, ob das Klima – trotz Obama – in den USA überhaupt so liberal ist oder ob nicht gerade Filme wie „Milk“ und die Worte Sean Penns vielmehr eine Reaktion auf einen hegemonialen Diskurs sind, der eben doch von den unterschiedlichen Gruppierungen der Rechten dominiert wird.
Womit ich wieder bei meiner Magisterarbeit bin, die wohl genau dies zum Thema haben wird. Motiviert bin ich.
Bildquelle: Wikipedia

Das triffts!
Als Frau bin ich traurig und sehr wütend über diese Art von Gedankengut.
Dieses Thema beschäftigt mich auch in einem anderen Kontext sehr.
In den Achtzigern, wo ich noch nichts über ihn wusste, fand ich ihn kurze Zeit interessant. Jetzt macht ihn seine Einstellung zu einem innerlich unattraktiven und oberflächlichen Menschen.
D.B. scheint nichts weiter als ein narzisstischer, minderbemittelter Hinterwälder mit einem armseligen Gefühlsleben zu sein.
Eigene Unzulänglichkeiten übertragen diese Menschen auf
andere, meist gesellschaftlich schwächere Gruppen wie Frauen, Homosexuelle, Menschen anderer Herkunft und
Religion. Man erzeugt so ein künstlich geschaffenes Überlegenheitsgefühl um Diskriminierungen zu rechtfertigen, seine Machtposition zu festigen, sowie Feindbilder zu pflegen.
Vielleicht will man damit auch seine Ängste vor dem Anderen, Fremden kaschieren, das per se nur Bedrohung ist. Neues Gedankengut wird ablehnt. Kritisches Hinterfragen eigener Ansichten findet nicht statt. Ängstlich klammert man sich an alte, längst überholte „Werte“. Lebt nach starren religiösen und gesellschaftlichen Regeln, welche die komplizierte Welt in ein einfaches schwarz und weiß, gut und böse Schema pressen. Selbstständiges Denken ist ja soooo anstrengend. Desshalb überlässt man es lieber einem geistigen oder ideologischen Führer, der einem sagt was zu tun und zu lassen ist. Dies ist die Grundlage von Fanatismus und Faschismus jeglicher Coleur.
Ein funktionierendes Miteinander braucht neben konstruktiver Kritik auch Toleranz und Respekt.
Solange dieses reaktionäre, menschenfeindliche Gedankengut fröhliche Urstände feiert, haben es Werte wie echte Moral, Mitgefühl und Vernunft schwer.
D.B und Konsorten werden nie über ihre engen, geistigen Horizonte hinaus blicken können. Ein selbst gebautes Gefängnis aus Angst und giftigen Gedanken. Das Hirn ist offline geschaltet und mit der Selbstreflektion ist es nicht weit her. Er will die Männlichkeit retten? Wie bitte? Leidet die Menschheit denn nicht schon an einem Übermass an dieser Art von Männlichkeit?
Die Wirtschaftkrise lässt schön grüssen.
Ich wünsche ihm einen schönen Lebensabend in den abgeschiedenen Wäldern Montanas mit seiner geliebten makrobiotischen Diät.
Zitat:“ Was du nicht willst das man die tut, dass füg´auch keinem andern zu.