Fundamentalisten machen mir Angst. Ob nun Nationalisten, Faschisten, Kommunisten, radikale Christen, Juden oder Muslims - wenn das Weltbild über jede Form von Toleranz siegt, dann läuft irgendwas verkehrt. Es wäre so schön. wenn man sie aus der Mitte der aufgeklärten Gesellschaft einfach belächeln könnte, doch sie wollen einfach nicht aufhhören ihr ewiggestriges, reaktionäres und totalitäres Gedankengut mit aller Macht durchzusetzen. Und damit sind sie nicht mal unerfolgreich: In den USA stellen die radikalen evangelikalen Christen eine bedeutete Wählerschicht und sicherten die Basis für George W. Bush, selbst im Dunstkreis dieser Glaubensrichtung wiedergeboren. Im Groben hält man sich wortwörtlich an das, was in der Bibel steht bzw. das, was damit gemeint sein könnte. Also: Abtreibung: Buuuuuuuuh!, Homo-Ehe: Buuuuuuuuuh!. Evolutionstheorie: Buuuuuuuuuuuuuuuuh!, Klimawandel: Gibts nicht, also: Buuuuuuuh!, Öffentliche Schulen: Buuuuuuuuuuuuh! usw. – mag ja jeder halten wie er will, die Evangelikalen gehen aber einen Schritt weiter und wollen, dass sich diese Sichten endlich durchsetzen. Wer sich also nicht „wiedergebären“ lässt – also missioniert wird, muss halt politisch bekämpft werden, ganz im Sinne der Demokratie. Und Demokraten sind sie. Okay, den Fahneneid hat man etwas abgeänder und schwört auf die Flagge Jesus und die Bibel, aber ansonsten ist Amerika schon ein tolles Land. Nur von der Idee her natürlich, denn erstmal muss der Teufel (alles was nicht Evangelikal und liberal ist) ausgetrieben werden, damit die Nation wieder unter Gott vereinigt werden kann.
Eine politische Grundsatzentscheidung framet daher auch die Dokumentation „Jesus Camp“ von Rachel Grady und Heidi Ewing. George W. Bush ist aufgefordert einen vakanten Posten am Obersten Gerichtshof zu besetzen. Er schlägt Samuel Ailto vor, der einen gewissen christlich-konservativen Ruf genießt. Da die Mehrheiten am Obersten Gerichtshof gerade bei Streitthemen wie das Recht auf Abtreibung sehr eng sind, wurde mit dieser Berufung ein Ausschlagen zur ProLife-Seite befürchtet (zumindest von Seiten der ProChoice-Fraktion). Die Nominierung spielt aber nur eine kleine Rolle am Anfang und Ende der Doku, so endet die Doku mit der Bestätigung der Nominierung. Das Thema Abtreibung wiederum ist sehr prominent. Grady und Ewing konzentrieren sich auf drei Jugendliche, die in ein Sommerlager – „Kids on Fire School of Ministry“ - geschickt werden. Alle drei sind überzeugt von ihrer Mission und werden in dem Camp weiter auf ihre evangelikal-missionarische Tätigkeit getrimmt. Die Kamera ist dabei sehr nah dran. Bei der Eröffnung wird – man will ja modern sein – zu dem Jahrhunderhit „J.C. is in da house“ getanzt und gesungen. Danach gibts Indoktrination und viele Tränen - mal weint man, weil Abtreibung immer noch nicht verboten ist (dazu gibts kleine Plastikföten als Anschaungsmaterial) oder weil es auch in der eigenen Gemeinde Heuchler gibt, wahlweise auch, weil man sich Gott gerade so nahe fühlt - dieser Bilder zeigen aber: Die Glauben das wirklich. Die Kinder werden geformt, indoktriniert, fügbar gemacht für den eingebildeten Kampf gegen alles andere, was ihnen nicht passt - dabei ziehen die leitende „Pastorin“ bewußt parallelen zu der Ausbildung muslimischer Radikaler, sie übernehmen nur nicht die materialistische Waffenausbildung. Auch mit den Worten Indoktrination hat sie kein großes Problem, wie sie in einer Diskussion mit einem christlich-säkularen Radiomoderator gesteht. Sie glaubt nicht, dass Kinder eine Wahl über ihr Lebensbild haben und will daher den ‘Kampf um die Köpfe’ möglichst früh gewinnen. Dieser Radiomoderator ist auch die einzige Gegenstimme – ansonsten fehlt jeder Kommentar aus dem Off, man – so betonten die Macherinnen, wollte ein ‘realistisches’, vorurteilsfreies Bild zeigen. Nun ja, aus meiner säkularen Sicht ist das ganze schon sehr erschreckend - da wird Bush gesegnet, damit er den richtigen Richter auswählt, Kinder müssen in dem Glauben leben, dass es eine Sünde sei Harry Potter und Konsorten zu lesen und tanzen „Kriegstänze“ um sich ihrer Mission zu vergewissern, die ihnen von Zuckerbrot&Peitschen-PastorInnen eingehämmert wird. Frei nach dem Motto: „Jesus hat dich erwählt, er liebt dich, aber wehe, du bist nicht aufrichtig und voll bei der Sache!“. Allerdings glaube ich auch, dass sich Evangelikale nicht an der Darstellung stören würden – so scheinen sie die Welt nämlich zu sehen. Die Kinder könnten einem Leid tun, wenn sie einem nicht schon jetzt Angst machen würden.
Die Dokumentation ist bei einschlägigen Videocommunities von Suchmaschinen komplett verfügbar.
Ich habe den Film auch gesehen und war ebenfalls sehr geschockt. Fundamentalisten treffe ich hier ab und zu, da sollte es eigentlich nicht verwundern, dass Kinder fuer ihren ‘heiligen Krieg’ missbraucht werden. In dem Ausmass hat es mich aber doch ueberrascht.