Ganz in der Tradition von Bild hat jetzt auch StudiVZ ein ganzes Heer von Kontroll-Blogs angelockt, schließlich stand die Seite wegen verschiedener Dinge (Sicherheitslücken, merkwürdiger Gründer, Verkauf) in den Schlagzeilen. Außerdem tummeln sich auf der Seite theoretisch 1,5 Millionen Studierenden, die sich in Themen-Gruppen über dieses oder jenes unterhalten können. Einer dieser Kontrollblocks, StudiWATCH (”StudiVZ beobachten!”), beschäftigt sich insbesondere mit jenen Gruppen und deren Inhalten und macht Menschen öffentlich, die durch besonders schlaue Äußerungen auffallen. So zum Beispiel: Sebastian K. Der angehende Jurist aus Wien möchte den israelisch-palästinänsischen Konflikt idealerweise durch eine 500 Millionen Euro Giftgas-Lieferung an die Hamas beenden. Die Hamas steht im Übrigen auf der sog. EU-Terrorliste. Außerdem hält Kinberger auch im Allgemeinen nicht sonderlich viel von Juden.
Neben Sebastian K. werden auch zahlreiche andere StudiVZ-Mitglieder aus der nicht vorhandenen Anonymität des StudiVZ geholt und mit ihren geistigen Ergüssen vorgestellt. Sehr großes Thema dabei: Antisemitismus im Kontext von Islamkritik-Kritik, aber auch Wiederbelebungsgruppen der RAF werden betrachtet. Außerdem beschäftigt sich der Blog auch sehr gerne mit der Kontrolle des StudiVZ durch StudiVZ selbst, die scheinbar nicht so effektiv ist.
Insgesamt scheint der Blog recht erfolgreich zu sein, denn viele der angeprangerten Gruppen und User sind nicht mehr im StudiVZ zu finden - so existieren weder Sebastian K., RAF 2.0, Ahmad Yasin Gedenkgruppe etc. noch. Allerdings scheinen nebenbei auch viele Kritiker und Anti-Antisemiten aus dem StudiVZ entfernt worden zu sein.
Bisher weniger im Blickpunkt von StudiWATCH ist der türkisch-kurdische Konflikt. So gibt es zum Beispiel die Gruppe “Patriotischer Kurden Kongress (PKK). Es scheint ein großer Zufall zu sein, dass die Abkürzung auch die Abkürzung der seit Mitte der 90er Jahren verbotenen Arbeiterpartei PKK ist, die sich vor allem durch Anschläge auf türkische Einrichtungen hervortat. Seit Anfang 2004 sind zumindest Teile der Organisation wieder legal. Die Absicht der Gruppe ist klar: “Ich will ehrlich sein und sagen türken haben hier nichts zu suchen!….denn das hier richtet sich gegen die türken und ihre Politik”. Passenderweise ist als Gruppenbild ein kleiner Junge mit Maschinengewehr zu sehen. Das ist insofern interessant als das die PKK dafür bekannt war, Minderjährige aus verschiedenen Ländern zu rekrutieren. Der Gründer der Gruppe wurde inzwischen gelöscht, aber es sind noch immerhin 9 StudiVZ-Nutzer Mitglied dieser Gruppe.
Auf der anderen Seite gibt es auch türkisch-nationalistische Gruppe wie Anti Kurdistan, die sich mit dem Bild des gefesselten und mit Augen verbundenen Abdullah Öcalan (Ex-Führer der PKK) hervortun. Weitere Gruppen verneinen das Problem, so wie “Es gbit keine Kurdenfrage in der Türkei” (Allerdings gibt es auch die Gruppe: “Es gibt keine Kurdenfrage in der Türkei… wie doof!”). Eine andere Gruppe versucht den Völkermord an den Armeniern zu relativieren: “Der Armenier - Konflikt / Behauptung und Tatsachen. Der Gründer dieser Gruppe ist inzwischen gelöscht worden, die Gruppe existiert weiter.
Aber man braucht gar nicht in die Ferne schweifen - Nationalistische Gruppen gibt es natürlich auch für nationalistisch - deutsche Studierenden. So zum Beispiel die Gruppe: “Deutschland in den Grenzen von 1914″. Diese Gruppe, die natürlich nicht aufrechnen will und nur ” wertfrei und realistisch über deutsche Geschichte” diskutieren möchte (Zitat: ” Mehrere Millionen Frauen aller Altersgruppen wurden vergewaltigt, es gab etwa 240.000 Todesopfer in Folge von Vergewaltigungen.” - so viel zum Thema Aufrechnen..), vergisst leider vollkommen zu erwähnen, dass die beiden Kriege, die dem Verlust angeblich deutschen Gebiets vorausgingen, von Deutschland ausgelöst wurden. Es wird vor allem auf die vertriebenen Deutschen hingewiesen. Wer diesen Krieg ausgelöst hat und wer hier wen eigentlich zu erst vertrieben hat, wird nicht erwähnt. Vom Holocaust mal ganz zu schweigen. Damit steht diese Gruppe und ihr Gründer Michael R. in guter Tradition der Deutschen Vertriebenverbände und passen wunderbar in die aktuelle Diskussion um die Preußische Treuhand und ihrer Gebietsforderungen.
Verharmlosungs- und Nationalisten-Gruppe Nr. 2 ist die Gruppe “Deutsche Soldaten sind Helden, keine Mörder!”. Diese bei Neonazis sehr beliebte Parole (Es gab zahlreiche Demos gegen die Wehrmachts-Ausstellung vor einigen Jahren) zielt darauf ab, die Soldaten des 3. Reiches von jeder Schuld zu befreien und die Schuld allein bei den Machthabern zu suchen (Zitat: “Wir gedenken jenen Soldaten, die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft wurden, indem ihre enorme militärische Leistungsfähigkeit sechs Jahre lang von einem totalitären Regime mißbraucht wurde.”) Besonders schön hierbei die Betonung der “enormen militärischen Leistungsfähigkeit”. Sicherlich ist nicht jeder Soldat der Wehrmacht ein Verbrecher gewesen, aber es ist inzwischen mehr als erwiesen, dass die Wehrmacht u.a. bei sog. Säuberungsaktionen gegen Partisanen bzw. gegen Juden Verbrechen um Verbrechen beging. Diese Gruppe betätigt sich also als Verharmlosung von Kriegsverbrechen und stellt vor allem das sog. “Deutsche Soldatentum” in eine Tradition, also Wehrmacht und Bundeswehr sind zumindest so ähnlich, dass sie beide vor angeblichen Diffarmierungen geschützt werden müssten. Der Gründer der Gruppe ist im übrigen Soldat und studiert Geschichte.
Nur was tut man mit solchen Gruppen: Die Gruppen bei StudiVZ melden bringt häufig nichts (so ist die PKK Gruppe trotz mehrer Meldungen immer noch online) und Gegenöffentlichkeit (ergo: Gegengruppen) sind zwar lustig, aber nicht unbedingt wirkungsvoll. Letztendlich sind Blogs wie StudiWATCH die einzige Möglichkeit: Wer meint auf öffentlichen Plattformen gefährliche Gruppen und noch gefährlichere Meinungen zu verbreiten, muss damit leben, dass sein Name und seine Gedanken bloßgestellt werden. Schlimm genug, dass die meisten von diesen Deppen auch tatsächlich studieren…
http://www.citysplash.at
werde der erste citysplash-star wiens!!
Es ist eine Frechheit, wie zum einen der eigentliche Gruppenhintergrund auf dreiste Art und Weise verfälscht wird! Zudem unter diesem Beitragstitel!
Ich fühle mich persönlich beleidigt, zumal ich mich als deutscher Soldat deutlichst von rechtextremen Gedankengut distanziere.
Der wichtigste und zentralste Satz der Gruppenbeschreibung “Unsere Anerkennung gilt allen Soldaten, die fern von POLITIK und Heimat ihre schwere soldatische Pflicht erfüllten.” fehlt in der infarmen Anprangerung gänzlich!
Der auf dem Gruppenbild als zentraler Vertreter der Wehrmacht abgebildete Claus Graf Schenk von Staufenberg findet ebensowenig Beachtung!
Die Gruppe sollte eine Interessengemeinschaft bilden, die das heutige Bild des deutschen Soldatentums in Geschicht und Gegenwart diskutiert.
F. Sander
Ich kann mich meinem Vorrezensienten anschließen.
Es ist eine bodenlose Frechheit, wie zum Teil Wörter aus der Gruppenbeschreibung einfach in ihrem Kontext umgedreht werden.
Jeder Soldat, mich eingeschlossen, fühlt sich persönlich angegriffen, wenn man ihn mit den Wirrköpfen der rechten Szene gleichsetzt. Jedes neue Mitglied wurde vor Aufnahme in die Gruppe mit den verfügbaren Mitteln geprüft um eben einen rechtsdrall der Gruppe zu vermeiden.
Die Gruppe diente ausschließlich dem Zweck, den Soldatenberuf wieder ein bisschen mehr ins Licht zu rücken und den Kameraden in den verschiedenen Einsatzorten die entsprechende Ehrerbietung zu widmen, da es in Deutschland eine starke Diffamierung unseres Berufsstandes gibt. Der obige Artikel ist das beste Beispiel. Wir tun unsere Pflicht für das Deutsche Volk unter dem Primat der Politik.
Ich selber bin binational aufgewachsen. So wäre es paradox mich einer Fremdenfeindliche Gruppe anzuschließen
P. Störk
Es ist einfach ungeheuerlich, wie man so eine Darstellung des deutschen Soldaten im Internet publizieren kann, zumal auch noch unter diesem Titel!
Zum Teil schlecht recherchiert, drängt sich gegen Ende des Artikels sogar die Frage auf, ob dem Autor die Beweise für seine teils unreflektierten Behauptungen ausgingen und er auf Gedeih und Verderb noch eine letzte Gruppe finden musste.
Sei es wie es ist, jedoch möchte ich noch darauf hinweisen, dass Namensnennung im Internet seit neuestem verboten ist und, dass zu den betroffenen Personen geschriebene, auch mal als übele Nachrede ausgelegt werden kann.
M. Oberhaus
Also, wie man dem Soldatentum fern von Politik Anerkennung zollen will, bleibt mir vollkommen fremd. Ansonsten finde ich nicht, dass ich jeden Soldaten als Neonazi bezeichnet habe. Ich finde nur die Gruppe, die eine Verbindung zwischen Wehrmacht und Bundeswehr herstellt, extrem kritisch. Ich bin zwar auch kein großer Fan der Bundeswehr, aber ich sehe dabei riesen Unterschiede zur Wehrmacht. Ein Gleichsetzung in einer obskuren Tradition halte ich daher für geeignet die Verbrechen der Wehrmacht (Massenmord, Säuberungen etc.) zu verharmlosen.
Und an den lieben Herrn Oberhaus: Nein, Namensnennung ist nicht verboten. Es sei dem es geschieht im Kontext einer Persönlichkeitsrechtsverletzung. Die kann ich hier leider nicht entdecken. Aber Danke für den Hinweis.
Ich habe nie behauptet, es existiere ein latentes Weiterbestehen der Wehrmacht in der Bundeswehr… Dem ist ja bekanntlich nicht so.
Ich sehe ein, dass differenzierte Distanzierungen in der Gruppenbeschreibung Mißverständnissen hätten vorbeugen können…
Dennoch muss ich hier meinen Unmut über den Gesamtzusammenhang, in dem die Gruppe, ich als Gründer, die Moderatoren und Mitglieder, dargestellt werden unter Berufung auf eine subjektive Eigeninterpretation des Gruppenzieles, zum Ausdruck bringen.
Nun denn! Die Gruppe ist nicht mehr existent und ich hoffe, dass der Wind um die unterstellten Verharmlosungsvorwürfe nun wieder abebbt.
F. Sander
Der Verfasser des Artikel gegenüber unserer Gruppe: Deutschland in den Grenzen von 1914 sollte sich die Gruppenbeschreibung nochmal sorgfältigst durchlesen, und seinen unhaltbaren Kommentar löschen.
Wir distanzieren uns von jeglichen Versuchen uns mit Rechtsextremen Bestrebungen, Holocoust-Leugner etc in Verbindung zu bringen!
Mitglieder die solche Bestrebungen zeigen werden konsequent gelöscht und aus der Gruppe ferngehalten!
Uns geht es um die Historie, und um die Pflege dieser, da sehr viele Menschen in Deutschland Wurzeln in diesen Regionen haben!
Ich hoffe dieses nun klargestellt zu haben!
M. Ravener
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