Meine Schwester verweilt gerade für ein Jahr als Au-Pair in den USA. Heute „skypte“ ich mit ihr und suchte nach einer Telefonnummer einer Bekannten, bei der ich vier Wochen während eines USA-Austausches verbrachte und die später dann vier Wochen bei uns in Quickborn verbrachte. Dabei stieß ich, da ich kein normales Telefonbuch des Ortest googeln konnte auf diese Seite. Unter dem Motto „The right knowledge can make the difference“ bietet der Anbieter aber noch viel mehr als eine bloße Telefonnummernsuche an. So kann man sich, natürlich gegen Bezahlung, ausführliche Backgroundinformationen über Personen zusammenstellen lassen. Dazu gehören Adressänderungen, Strafregister (insbesonder Sexualstraftaten), Kreditwürdigkeit, Verwandte, Nachbarn etc. - praktisch also die Google-eine-Person-Suche in sehr viel detailierter Version. Dabei greift die Firma nicht etwa auf eigene Archive oder ähnliches zurück, denn hier würden sicherlich Datenschützer meckern, sondern nutzt ausschließlich „public records“.
Problematisch sind diese Aufzeichnungen vor allem in Bezug auf Sexualstraftäter. Einerseits, so wird argumentiert, müsse man die Bevölkerung vor diesen Menschen schützen und dazu gehöre nunmal auch die Veröffentlichung von Adressen, Bildern und Arbeitgebern.
Andererseits wird damit ein Generalverdacht auch nach verbüsster Strafe über die Sexualvrbrecher ausgesprochen und als vor einigen Jahren die SUN in England Namen, Bilder und Adressen von Kinderschändern veröffentlichte, kam es daraufhin zu übergrifen auf diese und auf Leute, die mit ihren verwechselt wurden. Allerdings stellt dies scheinbar die Ausnahme dar.
Am Beispiel des derzeitigen Wohnortes meiner Schwester lässt sich aber so einiges entdecken. Startpunkt der Suche ist „Nation Sex Offender Public Registry“, wobei, wie oben schon dargestellt, auch zahlreiche kommerzielle Anbieter diesen Service anbieten. Die Suche auf der Regierungssseite ergibt für die Stadt genau einen Eintrag, doch der hat es in sich. Der Mann gehört zur schlimmsten Kategorie „3“ der Sexualstraftäter. Verurteilt wurde er 2001 wegen Vergewaltigung und Mißbrach eines Kindes. Er gilt als „high risk“. Neben Größe, Gewichte, Augenfarbe etc., findet sich auf der Seite auch noch seine Wohnanschrift und die Anschrift seines Arbeitgebers. Im Vergleich zu anderen Bundesstaaten in den USA ist Massachusetts noch relativ streng mit der Veröffentlichung von Daten, denn es gibt keine Karte seines Wohnortes. Dafür gibt es allerdings Yahoo! Map. Damit ist es ein leichtes seinen Wohnort auf der Karte zu bestimmen (er wohnt eigentlich in einem Nachbarort) ubd seinen wahrscheinlichen Weg zur Arbeit (die hat er im Ort meiner Schwester). Dieser ist 6,5 Meilen lang und dauert circa 12 Minuten.
Wenn er arbeitet befindet er sich circa 1 Meile Luftlinie und 1,6 Meilen (das sind vier Minuten) von meiner Schwester entfernt. Wenn man Lust hat, kann man sich das ganze auch noch per Google Earth in Nahansicht anschauen. Und wenn man sich mit den „Public Records“ besser auskennen würde als ich, könnte man sicherlich noch viel mehr Informationen finden.
Doch was fängt man mit dem Wissen um einen Sexualstraftäter an? Natürlich sind solche Informationen nützlich, wenn sich der Mann als Kindergärtner oder ähnliches bewirbt, aber eine Affekthandlung wird damit sicherlich nicht verhinder. Und wer trägt schon immer die Fotos von Sexualstraftätern bei sich?
Na ja, ein schwieriges Thema..
Ich hatte grad einen riesen Kommentar geschrieben von wegen Datenschutz und Präventivmaßnahme und Bürgerrechte und dass das alles nichts nützt und dass man das im Endeffekt nur zu Marketingzwecken braucht, aber meine Tastatur ist defekt und hat alles gelöscht… deswegen nur eins: DU HAST RECHT.
Ha! Das war nicht deine Tastatur… das war der Große Bruder. Ich werde selber das Haus nicht mehr verlassen…
Wuahh… wir Verschwörungstheoretiker…